Da 80.000$ pro Song zur Finanzierung von Musikmessen anscheinend nicht reichen wird es die Popkomm in diesem Jahr nicht geben. Und warum? Natürlich wegen des Internets! Sagt wer? Natürlich Gorny! Und das geht so:
Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen
Im Bericht von heise online wird Tim Renners Reaktion auf diese Begründung übrigens so zitiert:
“Die Messe funktioniere nicht mehr, weil sie als “Selbstdarstellungsfeier” einer Branche diene, die “in der Tat wenig zu feiern hat, weil sie ihr Geschäftsmodell nicht mehr im Griff hat”, sagte der Musikmanager im Deutschlandfunk und verwies auf die Versäumnisse, rechtzeitig auf das Internet als Vertriebskanal zu setzen. “Wenn Sie in der Marktwirtschaft erfolgreich sein wollen, müssen Sie mindestens so gut sein wie ihr Konkurrent. Und dabei ist es egal, ob ihr Konkurrent illegal ist.”
Zwar bin ich nicht der allergrößte Freund Renners und halte ihn für einen typischen Selbstdarsteller dieser Branche, aber hier spricht er einmal mehr das Kernproblem der Musikbranche an: Die ganze Branche klebt an ihrem Geschäftsmodell wie Kaugummi in Haaren und versteht es nicht die Herausforderung anzunehmen und endlich mit anständigen Geschäftsmodellen einen neuen Weg zu beschreiten. Das größte Stück vom Kuchen teilen sich derweil Apple und Amazon. Der Grund weshalb Gorny und seine Brüder im Geiste diesen Weg der ewig Gestrigen einschlagen, ist vermutlich der folgende: Das ganze Prinzip Plattenfirma ist auf der Veräußerung von physischen Tonträgern, der Finanzierung der Musikproduktion und der Vermarktung von Künstlern ausgelegt und wurde mit der Entwicklung zu non-physischem Vertrieb, digitalisierter Home-Musikproduktion und Social-Media-Vermarktung völlig ausgehebelt. Künstler können somit zunehmend auf die Plattenfirmen verzichten und in hysterischer Panik greifen Gorny & Co. nach den davon schwimmenden Fellen. Dass sie dabei ihre Kunden vergraulen können sie einfach nicht verstehen. Traurig, denn ich mag das Biz.
Tags: Copyright, Musikindustrie
