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Artland Dragons 2009/10 – Saisonvorschau

Mittwoch, 30. September 2009

ArtlandDragonsNachdem er die Artland Dragons 2007 in die Finals führte und 2008 mit ihnen den BBL-Pokal gewann, zog es den langjährigen Headcoach Chris Fleming nach Bamberg in höhere (Etat-)Sphären. Auf der Suche nach einem Nachfolger entschieden sich die Quakenbrücker – nicht nur zur Überraschung des Kandidaten selbst – für den Gießener Headcoach Thorsten Leibenath, der mit den 46ers nur knapp dem Abstieg entgangen war. Dementsprechend wurden bereits zu Beginn von Leibenaths Amtszeit zweifelnde Stimmen aus Fankreisen laut, ob er der Aufgabe, ein Spitzenteam der BBL zu coachen, überhaupt gewachsen sei. Diese Zweifler sahen sich bestätigt, als sich die Dragons Anfang 2009 eher in Richtung Tabellenkeller denn in Richtung Play-Offs orientieren mussten. Hauptursache dafür war ein eklatantes Point-Guard-Problem: Weder der Top-Assistgeber der Saison 2007/08 Zack Whiting, noch Rookie Drew Neitzel, noch Nachverpflichtung Will Blalock konnten den Spielaufbau nach Leibenaths Vorstellungen organisieren.

Besserung trat erst mit der Verpflichtung des ehemaligen Ludwigsburgers Ronald Ross und des ehemaligen Kölners Toby Bailey ein. Mit diesem BBL-erfahrenen Duo konnten die Drachen neun der letzten zwölf Saisonspiele für sich entscheiden. Gleichwohl verpassten die Quakenbrücker die Play-Offs, waren zum Ende der Hauptrunde aber klar das heißeste Team der Liga.

Die wichtigste Nachricht der Off-Season war für Thorsten Leibenath daher wohl der Verbleib der beiden Difference-Maker Ross und Bailey. Neben diesen Erfolgsgaranten gehören in der Saison 2009/10 dank laufendem Vertrag Chad Prewitt, Darius Hall und Darren Fenn weiterhin zum Kader der Artland Dragons. Flavio Stückemanns Vertrag wurde verlängert und Shooting-Guard Hendrik Feist kehrte nach einem Pro-A-Gastspiel in Langen zurück ins Artland.

Bei den Neuverpflichtungen betonte Leibenath kein Risiko eingehen und auf Europa-Neulinge wie Neitzel und Blalock verzichten zu wollen. Demzufolge wurden mit Florian Hartenstein (Gießen 46ers), Charles Lee (MEG Göttingen), Nathan Peavy (Paderborn Baskets) und Alexander Seggelke (Science City Jena) bereits aus der BBL bekannte Gesichter verpflichtet. Für den verletzten Flavio Stückemann schloss man mit Achmadschah Zazai (ehemals EnBW Ludwigsburg) einen Vertrag bis zum Jahresende. Lediglich Folarin Campbell hat nie in der BBL gespielt, kann aber eine erfolgreiche Saison bei Solsonica Rieti in der italienischen Serie A – die der deutschen Liga von der Spielweise sehr ähnlich ist – vorweisen.

Neben der Erfahrung im europäischen Basketball legte die Scouting-Abteilung der Dragons auf eine Fähigkeit besonderen Wert: Vielseitigkeit. So kann Swingman Lee durchaus auch den Ball bringen und Folarin Campbell ist wie Toby Bailey wohl am ehesten als Point-Forward zu bezeichnen, bekleidet im Dress der Quakenbrücker jedoch wahrscheinlich die Position 2. Auch Ali Seggelke kann sowohl offensiv als auch defensiv auf der 2 und 3 seinen Mann stehen, für Nathan Peavy gilt das gleiche auf den Positionen 3 und 4. Durch diese Vielseitigkeit sind die Drachen in der Lage auf viele Spielsituationen variabel reagieren zu können: So ist eine große Aufstellung mit Peavy auf der 3, Fenn auf der 4 und Hall/Hartenstein auf der 5 denkbar. Leibenath ließ beim Domreitercup aber auch klein spielen: So stand Fenn als einziger „Langer“ zusammen mit vier Guards auf dem Parkett, die untereinander die Positionen switchen können.

Auffällig ist auch die verpflichtete Firepower: Bis auf Florian Hartenstein haben alle Neuzugänge in der vergangenen Saison in ihren Ligen durchschnittlich zweistellige Punktezahlen aufgelegt. Hier zeigt sich, dass man in Quakenbrück aus den Fehlern der vergangenen Saison gelernt hat: Für die 11er-Rotation, die Leibenath spielen ließ, fehlte in der Tiefe die Qualität. Immer wieder kamen durch Einwechslungen Brüche ins Spiel, da Spielern wie Mädrich, Johnson und Rohdewald die offensive Konstanz fehlte.

Dass Leibenaths Konzept einer großen Rotation in dieser Saison aufgehen kann, zeigten die Drachen in der Vorbereitung beim Gewinn des Domreitercups in Bamberg. Neben der Starting Five aus Ross, Campbell, Bailey, Peavy und Fenn trugen sich auch Bankspieler wie Lee, Seggelke und Hall zweistellig in die Scorerliste ein. Ebenfalls verbessert zeigten sich die Drachen in Bamberg in der Defensive: Die Guards übten stets großen Druck am Ball aus und störten den gegnerischen Spielaufbau empfindlich, was in Ballgewinne und einfache Punkte aus Fastbreak-Situationen resultierte.

Die Artland Dragons präsentierten sich in Bamberg in bestechender Frühform. Doch bereits eine Woche später sah man bei der Testspielniederlage gegen die GasTerra Flames Groningen ähnliche Probleme wie in der vergangenen Saison. Zwar stimmte mit 28 erzwungenen gegnerischen Ballverlusten die Defensive – offensiv fiel den Artländern aber, nachdem die Dreier aus dem Penetrate and Dish nicht fallen wollten, Peavy verletzt ausscheiden musste und der Ball nicht zu Fenn, Hall oder Hartenstein (alle drei zusammen nur 5 Punkte!) in die Zone kam, nichts mehr ein. Schon in der letzten Saison wirkten die Drachen häufig hilflos gegen Verteidigungen, die ihnen ihre Stärken nahmen.

Reagiert der Staff um Leibenath hier besser beim Ingame-Coaching und gelingt es ihnen aus der großen Ansammlung von starken Einzelspielern ein echtes Team zu formen, ist in Liga, Pokal und EuroChallenge eine Menge drin. Muss es auch sein, denn sollten die Drachen im nächsten Jahr erneut weit unter ihren Möglichkeiten bleiben, werden Leibenaths Tage in Quakenbrück gezählt sein. Zu viel Geld wurde in den tiefen Kader investiert um wieder mit leeren Händen dazustehen. Ein guter Start in die Saison wäre somit enorm wichtig, um in Ruhe an die Erfolge aus 2007 und 2008 anzuknüpfen und den Druck von Coach und Team zu nehmen.

DAS TEAM

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"Foto: Rolf Kamper / Artland Dragons" Hintere Reihe (von links): Chad Prewitt, Darren Fenn, Nathan Peavy, Florian Hartenstein. Vordere Reihe (von links): Folarin Campbell, Toby Bailey, Alexander Seggelke, Ronald Ross, Darius Hall, Flavio Stückemann, Achmadschah Zazai, Hendrik Feist, Charles Lee.

Charles Lee

#4 – SG/SF – 193 cm – 90 kg – USA

Erkundigt man sich bei den Fans der Veilchen aus Göttingen nach dem wertvollsten Spieler des Überraschungsteams der Saison 2008/09, fällt nicht der Name des spektakulären Rocky Trice oder des Leaders Kyle Bailey, sondern der Name Chuck Lee. Als Allrounder erzielte Lee nicht nur 13,1 Punkte, holte 4,0 Rebounds und gab 2,0 Assists pro Spiel, sondern war mit 1,6 Steals auch der Mann für die Spezialaufgaben in der Defense. Vor allem diese Fähigkeit gab Lee den Vorzug vor Adam Hess, den die Drachen trotz guter Saison nicht weiterverpflichteten.

Lee wird – ausgehend von der Aufstellung beim Domreitercup – in Quakenbrück wahrscheinlich von der Bank kommen. Ein guter Schachzug, kann Lee doch Spiele mit seiner Defense und seinem offensiven Talent in eine neue Richtung lenken.

Ronald Ross

#5 – PG – 188 cm – 84 kg – USA

Obwohl mit Ross und Bailey ein Duo zur Rettung der Saison 2008/09 verpflichtet wurde, verbindet man mit der Siegesserie am Ende der Saison vor allen Dingen den Namen Ronald Ross. Ross wurde sofort Leader des kopflosen Teams und lieferte als Zweitplatzierter in den Werten EFF-/P-/A-/ST-per-Game und 3,3 RpG, ein total package. Nur wenige PGs in der BBL sind so explosiv auf dem Weg zum Korb und können dort entweder hochprozentig mit Jumpshot aus dem Dribbling oder per Lay-Up abschließen. Gleichzeitig ist Ross immer in der Lage aus der Penetration den Pass auf den freien Mann spielen. Zudem feilte er im Vergleich zu seiner Zeit in Ludwigsburg und Israel extrem an seiner Wurfauswahl. So nahm er in 12 Spielen nur 14 Würfe vom Halbkreis und verwandelte diese mit 57%.

Trotz der vielen starken Spieler im Kader ist Ross klar der Kopf der Mannschaft und wichtigster Bestandteil vieler offensiver Plays. Das macht ihn für die Drachen ungemein wertvoll, eine echte Schwäche ließ sich bisher nicht ausmachen. Führt Ross sein Team mit einer Form wie in der letzten Saison unter die ersten vier Teams der Liga, ist auch der MVP-Titel für ihn nicht ausgeschlossen.

Hendrik Feist

#6 – SG/SF – 191 cm – 94 kg – GER

Hendrik Feist kehrte nach einem einjährigen Leihgeschäft mit dem TV Langen wieder zurück ins Artland. In der Pro A sollte Feist durch Spielzeit den nötigen Schritt machen, der ihm im Trikot der Dragons verwehrt geblieben war. Zwar kam Feist in der Pro A in 25 Spielen auf eine Spielzeit von durchschnittlich 22 Minuten, über den Status eines Rollenspielers kam der ehemalige U20- und A2-Nationalspieler jedoch auch in Langen nicht hinaus.

Im Artland wird Hendrik Feist der Schritt wahrscheinlich auch in dieser Saison nicht gelingen und kein Bestandteil von Leibenaths 11er-Rotation sein.

Alexander Seggelke

#7 – SG/SF – 194 cm – 93 kg – GER

Wie wichtig Headcoach Thorsten Leibenath die Verpflichtung von Alexander Seggelke war, hat er deutlich gesagt: „Wir hatten schon seit Längerem großes Interesse an seiner Verpflichtung“, so Leibenath in der Pressemitteilung zu Seggelkes Wechsel ins Artland. Dieses Interesse ging sogar so weit, dass man den vielseitigen Deutschen aus seinem Vertrag mit fünf Jahren Laufzeit bei den Science City Jena kaufte. Dass Seggelke sein Geld wert ist, bewies er sowohl in der BBL als auch in der Pro A. In letzterer gehörte Seggelke zu den besten Spielern und lieferte mit 35 Punkten und einem Effizienzwert von 39 gegen Phoenix Hagen die wohl herausragendste Einzelleistung eines Spielers der abgelaufenen Saison.

Seggelke ist ein Allrounder, der auf der 2 und 3 spielen kann. Er ist sowohl ein starker Verteidiger als auch ein vielseitiger Mann in der Offensive, der werfen und zum Korb ziehen kann. Seggelke gehört sicher zu den besseren deutschen Spielern in der BBL, auch wenn er nie von Dirk Bauermann in die A-Nationalmannschaft berufen wurde. Eine Bereicherung für die Liga.

Flavio Stückemann

#9 – PG – 187 cm – 84 – GER

Der Lokalmatador aus dem benachbarten ehemaligen Bundesligastandort Bramsche hat eine bewegte Saison hinter sich. Zunächst konnte sich Flavio Stückemann als aggressiver Verteidiger auf der 1 in die Rotation spielen und wurde für seine starke Leistung mit einem Platz in der Starting Five im EuroCup-Spiel gegen Lietuvos Rytas in Vilnius belohnt. Mit der Verpflichtung von Ronald Ross und der einhergehenden Kürzung der Rotation sank jedoch auch die Spielzeit von Stückemann als einem der wenigen deutschen Leistungsträger im Team.

Dass Leibenath viel mehr von Stückemann hält, als die Spielanteile zum Ende der letzten Saison vermuten lassen, ist der Kaderplanung für die nächste Saison zu entnehmen. Stückemann ist neben Ross der einzige echte Point-Guard im 12er-Kader der Drachen und wäre trotz der vielen ballsicheren Guards und Forwards sicher eine echte Alternative auf der 1 gewesen. Leider verletzte Stückemann sich im Vorfeld zur Universiade und wird bis zum Ende des Jahres ausfallen.

Achmadscha Zazai

#10 – PG – 175 cm – 64 kg – GER/AFG

Als Ersatz für den verletzten Flavio Stückemann verpflichteten die Dragons bis zum Jahresende den Deutschafghanen Achmadscha Zazai, der zuletzt in der Pro B für Telemotive München spielte. Ähnlich wie Stückemann ist Zazai ein agressiver Verteidiger auf der 1, der den gegnerischen Spielaufbau empfindlich stören kann. Für größere Aufgaben in der BBL fehlt Zazai zwar der Körper, kann aber in seinen Spielminuten die ihm zugedachte Rolle erfüllen.

Darius Hall

#11 – C – 202 cm – 120 kg – USA

Viel muss man über „The Wall“ und seinen unermüdlichen Einsatz von 120 bewegten Kilogramm für das Team eigentlich nicht mehr schreiben, allein seine Präsenz kann Spiele entscheiden. In nackten Zahlen: Auf Grundlage der Effizienz pro Minute war Darius Hall mit einem Wert von 0,57 der beste Center der letzten Saison! Dies zeigte sich auch in der Niederlagenserie, die sich die Dragons nach seiner Verletzung im Dezember einfingen und dem damit verbundenen freien Fall in der BBL-Tabelle. Dementsprechend plant Leibenath mit der neben Chris Ensminger prägendsten Center-Figur der letzten Jahre, auch in der nächsten Saison wieder als wichtiger Stütze des Teams. Bisher hat die Gesundheit noch mitgespielt und nur Stefan Koch hat gezählt, den wievielten Frühling Darius Hall mittlerweile erlebt. Leider muss man in Halls fortgeschrittenem Alter jedoch stets damit rechnen, dass die Knie der Belastung nicht dauerhaft standhalten. Mit der Verpflichtung eines dritten Centers wurde dementsprechend vorgesorgt.

Chad Prewitt

#13 – PF – 204 cm – 104 kg – USA

Chad „Big Red“ Prewitt ist wohl der Prototyp des soliden Rollenspielers. Über den „Robert Horry der BBL“, wie Sven Simon von der FIVE ihn einmal nannte, gingen in der vergangenen Saison häufig die ersten (Pick-and-Pop-)Spielzüge im ersten und dritten Viertel, wenn der Rest des Teams geistig noch in der Kabine weilte. Diese Würfe verwandelt Prewitt in der Regel mit tödlicher Sicherheit (44,9%) und er war es, der sein Team in engen Situationen häufig ohne Nerven im Spiel hielt.

Als „Stretch Four“ schafft Prewitt Platz in der Zone für Fenn, Hall und Hartenstein, ist in der Konsequenz daraus jedoch mit 3,1 Rebounds pro Spiel kaum beim Rebound präsent. Trotzdem ist Prewitt, der sich als Glue-Guy stets dem Team unterordnet, mit seiner Erfahrung unheimlich wichtig für die Drachen. Für viele gegnerische Fans ist Prewitt durch den robusten Einsatz seiner Ellbogen zur Reizfigur aufgestiegen, im Artland ist er neben Darius Hall eine der Identifikationsfiguren der letzten Jahre: Love him or hate him.

Folarin Campbell

#21 – SG/SF – 190 cm – 96 kg – USA

Wie eingangs erwähnt, ist Folarin Campbell der einzige Spieler im Trikot der Artland Dragons, der noch nie in der BBL gespielt hat. Der talentierte Point-Forward führte die George Mason Patriots 2006 in ihrem „Cinderella-Run“ mit 11,0 PPG, 4,2 RPG und 3,4 APG ins Final Four des NCAA-Turniers. In seinem ersten Profi-Jahr verschlug es Campbell in Italiens Serie A zu Solsonica Rieti. Hier lieferte er an der Seite des ehemaligen BBL-MVPs Jerry Green 11,1 Punkte pro Spiel bei ordentlichen Quoten.

In der Vorbereitung startete Campbell bei den Drachen stets auf der 2, wird aber auch den Spielaufbau übernehmen. Dass er dazu in der Lage ist, bewies Campbell in der Vorbereitung gegen Groningen, wo er 5 Assists auflegte.

Toby Bailey

#22 – SG/SF – 197 cm – 90 kg – USA

Zwar spricht man häufig von Ronald Ross, wenn man an das letzte Saisondrittel der Drachen denkt, der Anteil von Swingman Toby Bailey ist jedoch nicht zu unterschätzen. Mit 11,6 Punkten, 4,3 Rebounds und 2,2 Assists präsentierte sich Bailey als Allrounder, der nicht nur auf seine Stats schaute. Dass er Spiele im Alleingang entscheiden kann, bewies Bailey in Köln zuhauf – im Artland präsentierte er sich jedoch als hervorragender Teamspieler, der viele Dinge richtig und das gesamte Team besser machte. Überall auf dem Parkett anzutreffen, voller Energie, mit guter Wurfauswahl und dem Extrapass. Baileys Weiterverpflichtung war ein No-Brainer.

Darren Fenn

#24 – C – 208 cm – 112 kg – USA

Der ehemalige Bamberger Meistercenter Darren Fenn hat bei den Dragons eine positive Entwicklung genommen. Fenn hielt sich in der vergangenen Saison weit weniger am Perimeter als noch zu Bamberger Zeiten auf und spielte als echter Center wieder wo er hingehört: In the paint. Dort lieferte er dank einiger wirklich schicker Centermoves eine hervorragende Perfomance mit 13/7 ab und wurde gar zum MVP des Allstargames in Mannheim gewählt. Ganz konnte Fenn sich seinen Hang zum Schuss von draußen nicht abgewöhnen, was als Option im Pick and Pop aber auch nicht gewollt ist. Anlass zur Sorge ist das freilich nicht, hat Fenn im EuroCup gegen FMP Zeleznik Belgrad doch endlich mal einen Clutch-Dreier getroffen.

Läuft es in dieser Saison auch besser in der Defense für Fenn, steht im Artland allen Unkenrufen zum Trotz einer der komplettesten Center der BBL in der Starting Five.

Nathan Peavy

#31 – SF/PF – 203 cm – 100 kg – USA

Die Berliner werden sich sicher noch schmerzlich an Nathan Peavys One-Man-Show im Viertelfinale der Play-Offs gegen Paderborn erinnern. Nachdem Paderborns Headcoach Doug Spradley einmal die Büchse der Pandora geöffnet hatte, gab es niemanden auf dem Parkett oder an der Seitenlinie der Peavy stoppen konnte. Das Resultat: 15,4 Punkte pro Spiel und einen kochenden Spradley, da Peavy den Ball gar nicht mehr hergeben und jedes offensive Play selbst beenden wollte. Peavy ist auf der 3 und 4 sicher einer der herausragenden Einzelspieler der BBL: Er ist spritzig und athletisch, beherrscht tolle Postmoves und verfügt über einen sicheren Distanzwurf. Jedoch benötigte er für seine Leistung in Paderborn viel den Ball in der eigenen Hand und nahm auch schlechte Würfe (48,5% aus Nah- und Mitteldistanz). Gelingt es Peavy sich unterzuordnen und nicht nur auf den eigenen Abschluss zu schauen, sondern seine Fähigkeiten in das Team zu integrieren, wird er ohne Frage eine der ganz wertvollen Bereicherungen für das Team aus Quakenbrück sein.

Florian Hartenstein

#54 – C – 205 cm – 122 kg – GER

Der feuchte Traum aller Fantasygame-Manager in der Offseason 2008 wurde als fünfter Big Men und Rollenspieler von Gießen nach Quakenbrück geholt. Headcoach Thorsten Leibenath arbeitete schon an der Lahn sechs Jahre mit Florian Hartenstein zusammen und kennt dessen Qualitäten genau. Zwar wird Hartenstein wahrscheinlich über wenige Minuten als Rollenspieler nicht hinaus kommen, seine Erfahrung, sein Einsatz und seine Fouls werden den Drachen aber sehr nützlich sein. Von seinem Potenzial beim Merchandise mal ganz abgesehen.

Das Spiel ist aus: Oldenburg ist Meister!

Donnerstag, 25. Juni 2009

Glückwunsch nach Oldenburg, das beste Team der Saison und der Play-Offs ist verdient Meister geworden. Auch wenn es pervers ist, dass der Deutsche Meister ohne Deutsche spielt: Die EWE Baskets hatten ein klug zusammengestelltes Team und mit Gardner, Foster und Paulding einen Backcourt, der kalt war wie Hundeschnauze. Dazu gesellten sich osteuropäisches Handwerk und ein Turm von einem Center im Frontcourt. Schöner Basketball wurde da gespielt, das Pappschild ist am richtigen Ort.

Und für die Bonner tut es mir unendlich leid. Ewiger Vize, ein Stigma, dass ein weiteres Jahr bleiben wird. Der Stachel, die Frustration sitzt tief. Mein ehrliches Mitgefühl gehört euch.

Einen Tip habe ich noch an die Oldenburger Fans: Seven Nation Army grölen geht wirklich gar nicht. Gar nicht.

Kobe did it.

Montag, 15. Juni 2009

Nachdem der HSV, die Artland Dragons und ALBA Berlin an der Titelfront versagt haben, musste es die “Black Mamba” richten. Jetzt hat Kobe Bryant seine erste Championship als Leader und alleiniger Superstar der LA Lakers. He’s got his own. Und ich darf mich doch noch über den Titelgewinn eines “meiner” Teams freuen (ALBAs Pokal zählt nicht).

Via The Daily What

Most Valuable Puppets: Mrs. Lewis

Montag, 25. Mai 2009

Gerade erst entdeckt: Der mittlerweile vierte Nike-Spot über die Roommates LeBron & Kobe und ich könnte mich schon wieder ablegen. Die sind echt genial.
Hier gibt es übrigens alle vier Spots zu gucken.

Drei Wochen Grübelei

Donnerstag, 14. Mai 2009

Der Grübler, mit dem ich bei schoenen-dunk im SD-Talk mal eine Diskussion über Quakenbrücks Trainer-Knutschkugel Thorsten Leibenath führte, reflektiert drei Wochen bloggen über Basketball und stell fest, dass die deutsche Basketball-Blogosphäre tatsächlich ziemlich mau ist.

Neben einem Stamm regelmäßiger Leser lebt das Bloggen von der Interaktion mit der Blogosphere. Vor drei Wochen diskutierten wir auf schoenen-dunk, dass es ja kaum eine deutschsprachige Basketball-Blogosphere gibt. Das merke ich.

Guter Anlass mir nochmal hinter die Ohren zu schreiben, mal wieder einen etwas längeren Artikel über Basketball zu verfassen. Vielleicht ein Saisonfazit der Dragons, bietet sich ja an, die Spielzeit 2008/2009 ist für die Dragons ja leider schon vorbei.
Für die Berichterstattung über den Basketball in Deutschland ist ein Blog wie es der Grübler betreibt auf jeden Fall ein großer Gewinn. Weitermachen.

Most Valuable Puppets: Kobe & LeBron

Dienstag, 12. Mai 2009

Ich stehe ja total auf die neue Werbung von Nike mit den roommate-puppets Kobe und LeBron: “C’mon, Play-Offs Kobe! Post season! POST SEASON! Get excited! Chosen one! Make some noise, Kobe! Gametime, Kobe!”
Da könnte ich mich unter den Tisch legen, echt jetzt.

Yeah!

Dienstag, 03. März 2009

Die Artland Dragons schlagen Iurbentia Bilbao Basket mit 84:79. Vielleicht geht ja doch noch was für die Truppe, auch wenn ich mir das eigentlich nicht vorstellen kann…

Artland Dragons 2.0 – Was läuft falsch?

Sonntag, 01. Februar 2009

ArtlandDragonsDie Ausgangslage ist folgende: Am 19. Spieltag steht der Pokalsieger, als eine der negativen Überraschungen der laufenden Saison, auf Platz 13. Zwar sind die Plätze 7 und 8 noch durchaus erreichbar, die gezeigte Leistung in den vergangenen BBL-Spielen geben jedoch wenig Anlass zur Hoffnung, dass die Drachen auch in diesem Jahr an der Postseason teilnehmen.
Im krassen Gegensatz dazu steht die Leistung des Teams im EuroCup. Wie schon im letzten Jahr konnte das Top16 mit beeindruckenden Siegen gegen Bologna und Belgrad erreicht werden. Auf der Website des EuroCup spricht man über die Dragons als “one of the fastest-rising clubs in the continent”.
EuroCup hui, BBL pfui? Für viele Anhänger outet sich das Team dadurch als Ansammlung von Ego-Spielern, die sich für bessere Angebote in Position bringen wollen. Darauf möchte ich später noch eingehen.
Doch was läuft falsch in der BBL? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich zunächst die Ausgangslage etwas näher betrachten und auf Team, Taktik und Coach eingehen.

I. Das Team

Guards
Seit Beginn der Saison unsere größte Baustelle. Mit Zack Whiting wurde einer der besseren Pointguars der letzten Saison verpflichtet. Dieser konnte trotz zu Beginn gar nicht schlechter Stats, jedoch nicht die vom Coach in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen und präsentierte sich mitunter tatsächlich nicht als der Floor-General, den man gesucht hatte. Mittlerweile spielt Whiting gar nicht mehr und allerorten fragt man sich, warum Whiting keine Chance bekommt. Leibenath deutet darauf angesprochen gerne an, dass man sich im Training für Spielzeit empfehlen könne. Ich persönlich mag an eine so schlechte Trainingsleistung Whitings nicht glauben, dass seine Spielzeit bei der offensichtlichen Not im Spielaufbau 0 (in Worten: NULL) Minuten betragen muss. Vielmehr denke ich, dass das Band zwischen den beiden nach der Verpflichtung Blalocks zerschnitten ist. 
Will Blalock wurde im November als defensiver Stopper, Scorer und erfahrener Kreativposten auf dem Feld verpflichtet. Leider konnte auch Blalock nicht das zeigen, was man sich versprochen hatte: Defensiv zwar solide, offensiv jedoch nur durchschnittlich und mitnichten der neue Floor-General. Vorläufiger Höhepunkt sind die sieben Ballverluste vom gestrigen Abend.
In Folge dessen wuchs Rookie-Combo-Guard Drew Neitzel in die Rolle des Starting-PGs, der immer für einen kreativen Assist gut ist und mit Fenn ein durchaus schönes Pick and Roll spielen kann. Dass er das Spiel zu jedem Zeitpunkt führen und lenken kann, hat er jedoch noch nicht konstant bewiesen. “Kein Wunder” sagen die Kritiker, sehen sie Neitzel auf der 1 doch als vergeudetes Talent an. Wenn man sich an die Bilder aus Michigan erinnert, in denen Neitzilla als Shooting-Guard um die Blöcke flitzte und verlässlicher Scorer vom Halbkreis, aber auch selbstloser Assistgeber war.

Ein verlässlicher Scorer ist nämlich etwas, dass auf der 2 dringend fehlt. McIntosh rennt nun seit zwei Seasons seiner Form aus den POs von 2007 hinterher, mal genial und nicht zu halten, mal unberechenbar und lustlos. Mac bleibt das typische Beispiel für einen streaky Shooter. Leider steht und fällt mit diesem auch das Spiel der Dragons: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Dragons als Verlierer vom Parkett gehen, wenn Mac eine seiner “No-Shows” gezeigt hat, ist hoch.
Deshalb wurde Mac von Leibenath aus der Starting-Five verbannt und dort durch Paul Johnson ersetzt. Johnson liefert als defensiv starker Swingman ohne Wurf jedoch auch nicht die Punkte, die wir von den Guards dringend bräuchten. Johnson bleibt in meinen Augen eher der Mann für die Spezialaufgabe von der Bank, nicht der Mann für die S5.
Ebenso verhält es sich mit Flavio Stückemann, der in den Minuten, die er auf der 1 oder 2 bekommt, stets einen überzeugenden Job abliefert.

Zusammenfassend haben wir auf den Guard-Positionen sowohl ein Scoring- als auch ein Leader-Problem. Mit einer weiteren Nachverpflichtung muss niemand rechnen, man sollte aber vielleicht darüber nachdenken, die vorhandenen Spieler anders einzusetzen. Der schon mehrfach gefallene Vorschlag, Whiting endlich wieder Spielzeit zu geben und Neitzel als SG starten zu lassen, ist imho eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, aus unserem Backcourt noch etwas rauszuholen. Whiting liefert mit Vertrauen des Coaches und einer “Jetzt ich”-Attitüde vielleicht eine starke Rückrunde auf’s Parkett, während Neitzilla seine Stärken ausspielen könnte. Als Backups hätten wir dann Blalock und Mac sowie Johnson und Flavio für Spezialaufgaben.
Bitte einfach mal ausprobieren, schlimmer als jetzt kann es bei den Guards eh nicht mehr laufen.

Forwards
Auf der 3 haben wir einen der stärksten BBL-Spieler seiner Position und Topscorer: Adam Hess. Über den gibt es nicht viel zu meckern, man könnte lediglich kritisieren, dass er sich mit seinem, äh, robusten Spiel zu schnell durch Foulbelastung aus dem Spiel nimmt und sich zwischenzeitlich Pausen gönnt. So hatte Hess gestern zur Halbzeit mit 17/10 schon ein Double-Double verbuchen können, beendet hat er das Spiel dann mit 23/11. Aber an diesem Mann gibt es eigentlich nicht viel zu meckern.
Hinter Hess spielen Johnson und Rohdewald. Für Johnson gilt auf der 3 das Gleiche, was für ihn auf der 2 gilt: guter athletischer Defender, offensiv jedoch nicht vorhanden. Rohdi trifft seine Dreier leider nicht mehr so zuverlässig wie früher und ist auch in der Defense häufig mindestens einen Schritt zu spät, was zu Auswüchsen wie gegen Alba führen kann, wo er sich innerhalb von wenigen Sekunden drei Fouls einhandelte.

Auf dem großen Flügel bereitet mir der sonst so zuverlässig agierende Chad Prewitt im Moment ernsthafte Sorgen: Gehörte Chad in der letzten Saison noch zu den besten Dreierschützen der Liga und hat eiskalt jeden wichtigen Ball eingenetzt, scheint das Spiel aktuell irgendwie an ihm vorbei zu laufen. Die Dreier fallen nicht mehr zuverlässig und er scheint mir auch unglücklich mit seiner Rolle zu sein. Anders kann ich mir solche Frustaktionen wie gegen Nadjfeiji nicht erklären. Imho ist Chad ein ganz wichtiger Mann für uns, der die Dragons sehr häufig als hochprozentiger Schütze aus dem Pick and Pop im Spiel gehalten hat. Den brauchen wir in Topform.
Hinter Prewitt ist A2-Nationalspieler Mädrich die erste Option, der mit einem Wahnsinnsspiel gegen Bologna die Hoffnung auf seinen Durchbruch weckte. Leider bleibt Dirk jedoch einer der unkonstantesten Spieler im Kader mit zum Teil katastrophalen Quoten im nationalen Wettbewerb.
Tyray Pearson wurde für den verletzten Hall verpflichtet und ließ erstmals im Spiel gegen Berlin sein Können ansatzweise aufblitzen. Gegen Tübingen bekam er dann erstmals mehr Spielzeit. Viel mehr als “solide” ist seine Leistung bisher nicht gewesen. Vielleicht ist Pearson auch einfach der falsche Spieler, fehlt doch eine echte Kante unter dem Korb, seitdem Hall sich verletzt hat.

Center
Womit wir auf der 5 und damit bei einem der wertvollsten Spieler im Drachentrikot angekommen wären: Darren Fenn. Offensiv und beim Rebound stets verlässlich, ist Fenn mit 15/7 für mich d i e positive Überraschung im Team. Nur noch selten treibt sich der ehemals zu groß gewachsene SG am Halbkreis herum, sondern erfüllt seinen Job da, wo ein Center hingehört: In der Zone (auch wenn im Ticker eindeutig zu häufig “Darren Fenn: Lay-Up verlegt” zu lesen ist).
Defensiv ist er hingegen eine mittelschwere Katastrophe: Selbst einfachstes Pick and Roll vermag Fenn häufig nicht zu verteidigen.
Hier fehlt ganz eindeutig eine betonierte Mauer in der Zone. Wie sehr Darius Hall dieser Mannschaft fehlt, lässt sich an folgender Quote ablesen: 1 Sieg bei 7 Niederlagen, seitdem Darius raus ist. Der alte Mann, der mittlerweile seinen xten Frühling erlebt, ist unglaublich wichtig auf dem Parkett. Nicht nur als Verteidiger und unbequeme Wuchtbrumme im Vorwärtsgang, sondern auch als Faktor, der das Team zusammen hält. Allein seine Präsenz kann Spiele drehen.

Teamzusammenstellung
Einige Stimmen prophezeiten vor Beginn der Saison, dass Team sei nicht athletisch genug und ginge in entscheidenden Phasen nicht dahin, wo es weh tut. Nun, das denke ich nicht. Mit Hess, Prewitt und Hall haben wir Spieler, die alle ihr Gegenspieler zum Korb nehmen und dort zuverlässig scoren können und vor allem auch keine Angst davor haben. Auch der fehlende Slasher wäre nicht unbedingt das Problem, wenn der Ball zuverlässig zu den Jungs am Korb kommen würde.
Hier offenbart sich – wie schon oben erwähnt – das große PG-Problem noch einmal deutlich.

Ich denke, dass es dem Team in der Tiefe einfach an Qualität fehlt. Da sehen wir eigentlich nur auf der 5 gut aus. Auf allen anderen Positionen besteht meines Erachtens ein zu großer Leistungsunterschied. Mädrich kann die Erwartungen nicht konstant erfüllen, ebenso wie Will Blalock.
Kurz gesagt: Für die Rotation, die Leibenath spielen lassen möchte, sind die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Spielern zu groß. Außer Hall gibt es imho keinen verlässlichen Spieler von der Bank. Die Zusammenstellung des Teams schreit eigentlich nach kurzer Rotation, aber TL scheint an die Spieler zu glauben.

Teamchemie und Kampfgeist
Wie sieht es mit der Chemie innerhalb des Teams aus? Hess, Prewitt, Rohdi, Hall und Mac haben schon 2007 zusammengespielt, die sind der Kern des Teams. Fenn und Neitzel sind offensichtlich gut integriert und auch Johnson, Stückemann und Mädrich sind imho im Team. Ich sitze zwar nicht mehr an der Quelle, aber eigentlich habe ich nur bei Blalock das Gefühl, dass er distanziert wirkt. Beurteilen kann ich das aber nicht. Deswegen denke ich, dass die Chemie innerhalb des Teams bei den Dragons stimmen wird.

Und der Wille? Wie schon Eingangs erwähnt, haben viele Fans den Eindruck, dass man sich im Gegensatz zum EuroCup im nationalen Wettbewerb nicht reinhängt.
Diesem Punkt möchte ich vehement entgegen treten. Warum? Die gleichen Spieler, die im EuroCup gute Spiele abliefern, sind auch in der BBL die verlässlichen Größen: Hess und Fenn. Gegen Bologna kamen dann noch Sahnetage von Mädrich und Neitzel hinzu, bei denen es in meinen Augen jedoch weniger ums Wollen als ums konstante Können geht. Und Mac? Die Leistung von Mac im EuroCup ist das Spiegelbild zu seiner Leistung in der BBL: Mal top, mal flop.
Ich wüsste auch nicht, welchen Spielern aus unserem Team ich eine solche Einstellung zutrauen würde. Hess, Hall oder Fenn? Niemals. Prewitt? Definitiv nicht. Neitzel oder Mädrich? Nein. Mac? Siehe oben.
Die restlichen Spieler waren leider weder in der BBL noch im EuroCup in der Art und Weise Faktoren, dass sich die These belegen ließe.
In meinen Augen liegt es also weniger daran, dass die Spieler nicht wollen, sondern daran, dass sie nicht können. Wer das Dü’Do-Spiel gesehen hat, wird wissen was ich meine. Und hier ist der Coach gefragt.

II. Der Coach

Taktik
Leibenath lässt ein paar einfache Systeme spielen, die in der Regel immer funktionieren: Pick and Pop des PGs mit Prewitt, Pick and Roll (oder Pop) mit Fenn, High-Low zwischen Prewitt und Fenn. Das macht man ein paar Mal, dann hat sich der Gegner darauf eingestellt. Was die komplexeren Spielsysteme (soweit ich in der Lage bin, sie zu erkennen) angeht, stelle ich eine erschreckende Unflexibilität in der Offense fest. Gegen Berlin wurde das überdeutlich: Kommt das System nicht ins Rollen weil die ersten Anspielstationen gut verteidigt werden, bricht kollektiv entweder hektische Panik oder Schockstarre aus, was sich in gezwungenen Würfen oder stundenlangem Ballbesitz des PGs äußert. Hier wirkt sich noch einmal das Fehlen eines echten Floor-Generals aus, der die Verteidigung lesen und entsprechend variabel reagieren kann. Hier agiert mir aber auch Leibenath zu wenig: Wenn das Team mit der Defense wie gegen Dü’Do oder Berlin nicht klar kommt, muss der Coach das Heft in die Hand und stärker Einfluss nehmen. Da ist mir TL viel zu passiv. Es muss nicht gleich wie bei Pavicevic und Brown aussehen, aber er muss in solchen Momenten handeln. Allerdings wirkt das Team häufig auch schlecht vorbereitet: Wer so von Düsseldorfs Zone überrascht wird, dass gar nix mehr geht, ist in meinen Augen nicht auf den Gegner eingestellt (Zugegeben: das war eine recht seltsame Zonenverteidigung, wodurch die Dragons häufig nicht wussten, ob sie nicht doch gegen eine Manndeckung spielen. Hier wäre aber wieder der Coach gefragt gewesen).
Dass wir eines der Teams mit den meisten Punkten im Schnitt sind, ist ob der “Systemschwäche” eigentlich paradox, zeigt aber umso deutlicher, dass wir von wenigen Spielern abhängig sind. Fallen diese aus, ist das Team geliefert.

Die Defense der Dragons anno 2009 ist erschreckend: Zwar spricht Leibenath unentwegt von Defense, in der Realität lässt aber nur Ulm den Gegner zu mehr Punkten kommen. Die Transition ist zu langsam, die Help-Defense zu schlecht und das Switchen grausig. Die Team-Defense gefällt mir wirklich gar nicht, wenn ich da Teams wie ALBA denke, bekomme ich feuchte Augen.
Hinzu kommt, dass einzelne Spieler keine großen Verteidiger (Neitzel, Fenn) oder über ihren Defensivzenit hinaus sind (Hess, Prewitt, Rohdi). Wären wir beim Football, könnten wir ein Offensiv- und ein Defensivteam auf’s Feld schicken: Neitzel/Mac/Hess/Prewitt/Fenn vs. Blalock/Stückemann/Johnson/Mädrich/Hall. Aber in der Kombi (lies: Rotation) funktioniert es leider nur sehr selten.
Ich persönlich sähe ja auch gerne mal eine Zonenverteidigung bzw. Varianten dieser, aber da bin ich seit Fleming ja auch ziemlich abgestumpft.

Standing
“Er lernt.”. Gab es schon einmal einen übleren Kommentar über einen Coach? Und wenn ich bedenke, dass es von Darren Fenn kommt, der es wahrscheinlich nur gut gemeint haben dürfte, stehen mir die Haare noch mehr zu Berge.
Welches Standing TL bei seinen Spielern hat, kann ich schlecht beurteilen. Der eine Teil muss sich an einen neuen Coach gewöhnen, der andere Teil an einen jungen Coach. Klar funktioniert das nicht reibungslos, aber dass TL ein so schlechtes Standing bei seinen Spielern hat, mag ich auch nicht glauben. Mir sind zumindest noch keine öffentlichen Unmutsbekundungen einzelner Spieler zu Ohren gekommen. Es scheint sich um gemeinsames lehren und lernen zu handeln. WTF?! Ja, genau. Wieder so ein Punkt: Vielleicht geht das gut, vielleicht auch nicht. Ich mag es nicht beurteilen, dazu bin ich nicht nah genug am Team. Allerdings scheint mir häufig das Vertrauen in die Systeme des Coaches nicht vorhanden zu sein, sonst würde ein Spieler wie Adam Hess nicht so häufig auf eigene Faust aus den Systemen aussteigen (zumindest wirkt es so auf mich).


III. Blablabla – Was läuft denn nun falsch?

Aus meiner Ausführung lassen sich ein paar Punkte herausfiltern, die die momentane Situation bedingen:

1. Probleme auf den Guard-Positionen: Es fehlt sowohl ein Floor-General als auch ein konstanter Scorer.
2. Formkrisen, generelle Unkonstanz und verletzungsbedingtes Fehlen von Spielern.
3. Teamzusammenstellung: Die Qualität des Kaders stimmt für eine 11er-Rotation leider nicht.
4. Das Team wirkt im offensiven Setplay häufig unsicher und bekommt keine entsprechende Anweisungen.
5. Die Defense ist schlecht.

Eine Handvoll Räder, an denen sich aber durchaus drehen lässt. Mein Vorschlag: Rotation verkürzen, Whiting auf die 1, Neitzel auf die 2, Mac als 6th-Man und Johnson und Mädrich für Spezialaufgaben. Hall noch dazu und wir haben eine ordentliche 9er-Rotation. Im Idealfall lösen sich damit die Probleme 1-4 wie im Vorbeigehen (jaja, so einfach könnte es sein). Für Problem 5 empfehle ich – solange sich keine dauerhafte Verbesserung einstellt – einstweilen die Kolumne von André Voigt in der FIVE: There’s only one way to play basketball…


Ob TL der richtige Mann ist, weiß ich – wie gesagt – nicht. Ich weiß nur, dass momentan einige Dinge falsch laufen, diese sich aber beheben lassen. Es sollte nur langsam mal losgehen.